De sancto Eustachio
Orricus Scacabarotius; † 1293
Lateinisch:
Eustachii praeconia
Mater pangat ecclesia,
Tota festiva jubilet
Et laudibus invigilet.
Sanctum Deus, mirabilis
In sanctis suis omnibus,
Eustachium mirificat
Miraculis insignibus.
Qui cum misericordiae
Afflueret operibus,
Christi figuram et crucem
Videt in cervi cornibus.
Venatione deditus
Dum cervum studet capere,
Venatorem Christus capit
Hunc volens salvum facere.
Sacrificare idolis
Nolens pius Eustachius,
In arena statuitur
Dei martyr egregius.
Saevo leoni traditus,
Illaesus hic dimittitur,
Bove accenso aereo
Inclusus non exuritur.
Ornandus hic aureola
Propter dira martyria
Cum coniuge ac filiis
Transit ad coeli gaudia.
Da, Christe, sancti martyris
Adiutos piis precibus
Aeterna frui gloria
Nos in supernis aedibus.
Gloria tibi, Domine.
Deutsch:
Die Mutter Kirche singe das Lob
des Eustachius,
sie juble in großer Fröhlichkeit und
sei auf sein Lob bedacht.
Bewunderungswürdig unter allen
seinen Heiligen verherrlicht Gott
den heiligen Eustachius
mit auffallenden Wundern.
Der mit Werken der Barmherzigkeit
reichlich hervortrat,
sieht im Geweih eines Hirsches
das Kreuz mit der Gestalt Christi.
Der Jagd obliegend,
versucht er einen Hirsch zu fangen,
Christus aber fängt den Jäger,
da er diesen zum Heil führen möchte.
Da der fromme Eustachius den
Götzenbildern nicht opfern will,
wird der erlesene Märtyrer Gottes
in die Arena gebracht.
Dem grausamen Löwen ausgeliefert,
wird er unverletzt entlassen;
darauf wird er in einen glühenden ehernen
Stier eingeschlossen, verbrennt aber nicht.
Wegen des grausamen Martyriums
mit der Strahlenkrone geschmückt,
geht er mit der Gattin und den Söhnen
ein zu den himmlischen Freuden.
Gib, Christus, dass wir, die wir durch die
Fürbitten des heiligen Märtyrers unterstützt
wurden, die ewige Freude in den himmlischen
Wohnungen genießen dürfen.
Ehre sei dir, Herr.
Deutsch von René Strasser
fontes
Analecta hymnica medii aevi. XIV b. Orricus Scacabarotius. Origo Scaccabarozzi's Liber Officiorum. Nach einer Handschrift der Kapitels-Bibliothek von Mailand herausgegeben von Guido Maria Dreves. Leipzig, O. R. Reisland, 1893, S. 175
https://dn790007.ca.archive.org/0/items/analectahymnicam14drev/analectahymnicam14drev.pdf
https://ia802305.us.archive.org/21/items/analectahymnicam14drev/analectahymnicam14drev.pdf
https://ia802305.us.archive.org/21/items/analectahymnicam14drev/analectahymnicam14drev.pdf
scholia / marginalia
De sancto Eustachio
Der Heilige Eustachius
Gedenktag des Heiligen ist der 20. September.
Eustachius (Eustasius) ist einer der vierzehn Nothelfer; er wird in schwierigen Lebenslagen angerufen. Die Kirchen St Eustache, Paris, Sant'Eustachio, Rom, San Stae (venezianische Dialektform für Eustachius), Venedig und Église Saint Eustache in der gleichnamigen Stadt Saint-Eustache im Nordwesten von Montréal in der Provinz Québec stehen unter dem Patrozinium des heiligen Eustachius. Schon im Mittelalter sind Episoden aus dem Leben des heiligen Eustachius auf Kapitellen, in Stundenbüchern und auf Glasfenstern dargestellt worden. So etwa auf dem Eustachius gewidmeten Glasfenster in der Kathedrale von Sens (1207/1215). Auch in der Kathedrale Notre-Dame de Chartres gibt es ein Glasfenster (1210/1215) mit Darstellungen von Episoden aus dem Leben des heiligen Eustachius (Fenster/Baie 43) sowie eine Einzeldarstellung des Heiligen (Fenster/Baie 115), ebenso in der Cathédrale Saint-Étienne in Auxerre oder in der Hohen Domkirche St. Marien in
Eine umfangreichere Miszelle als PDF mit zahlreichen Abbildungen der Glasfenster ist in Vorbereitung
Eine frühe Eustachius-Legende in griechischer Sprache stammt aus dem 8. Jahrhundert, eine lateinische Übersetzung, die in ganz Europa verbreitet war, aus dem 10. Jahrhundert. Sie zählt zu den großen und weitverbreitetsten der Spätantike und des Mittelalters. Ferner sind mehrere altfranzösische Legendenviten zum heiligen Eustachius erhalten (siehe ‘Literatur’), und zwar in Prosa wie auch in Versen. Von drei Versversionen sind die Verfasser bekannt: Benoît, Pierre de Beauvais und Guillaume de Ferrières. Die Legende von Eustachius und Hubertus weisen gemeinsame Merkmale auf. Eustachius soll das Martyrium im Jahre 118 n. Chr. erlitten haben. Hubertus von Lüttich war ein fränkischer Edelmann, der Bischof wurde und im 8. Jahrhundert in den Ardennen wirkte. Im Laufe der Zeit wurden im Spätmittelalter Merkmale des älteren Heiligen auf den jüngeren übertragen, insbesondere das Motiv des sprechenden Hirsches mit dem Kreuz im Geweih. Eine Fassung der Legende findet sich auch in der Legenda aurea des Jacobus de Voragine und im Passional; die Fassung aus letzterem folgt hier: „Von Sankt Eustachius Eustachius war ein Heide, und eh er getauft war, hieß er Plazitus, und war reich, edel, bescheiden, kühn und mild. Der Kaiser Trajan hätt ihn sonderlich lieb um seine Weisheit, und war sein Heermeister. Und wie wohl er ein Heide war, hätt er Gott lieb und gab gern durch Gott, und fördert die Christen, wo er mochte.
Eines Tages wöllt der in den Wald reiten und jagen nach seiner Gewohnheit. Und da er in den Wald kam, da sah er viel Hirsch, und sah einen gar schönen unter den anderen, der leuchtet aus ihnen allen. Und ihn gedauchet, er hätt nie kein schöner Tier gesehen. Und die Tiere liefen eine Weil von einander, und der schöne Hirsch lief gen einer steinern Wand hin. Da sah er Unsern Herrn Jesum Christum am Kreuz zwischen seinen Hörnern stehen. Und der Hirsch kehret sich gegen ihm und sprach: "Plazitus, warum jagst du mich? Du söllst wissen, daß ich Christus, des wahren Gottes Sohn bin. Und hab dich lieb um das Almosen, das du gibst. Und willst du, so glaub an mich, und empfang die Tauf." Damit verschwand der Hirsch.
Da ritt Placitus wieder heim und saget seiner Frauen und seinem Gesind, was ihm geschehen wär. Und empfing die Tauf, da hieß man ihn Eustachius, und darnach taufet man seine Hausfraue, seine Kinder und sein Gesind. Und am andern Tag kam er wieder an die Statt, dar er den Hirsch gesehen hätt, und hätt große Hoffnung zu Gott dem Allmächtigen. Da erschien ihm Unser Herr aber und sprach: "Du bist sälig, daß du deinen Glauben hast gelassen, und an mich glaubst und die Tauf empfangen hast. Und wie du gar gereiniget bist, so verlierest du alles, was du hast, deine Frau, Kinder und Güter, und mußt noch etliche Jahr viel leiden. Darnach kommest du wieder in all deine Ehr und vergissest alles deines Leidens, so du gehabt hast. Und wirst auch zuletzt um das Himmelreich getötet. Und da ihm Unser lieber Herr das gesagt hätt, da verschwand er wieder vor ihm. Darnach ritt Eustachius wieder heim und war sehr betrübet. Und kam der Tod unter sein Gesind, und darnach ging ihm an Gut ab, und kam zu großer Armut, daß es die Menschen erbarmet. Und er litt es geduldig durch Gott, und schämet sich seiner Frauen Armut sehr, daß er sie mit sich nahm und seine zween Söhn, und fuhr aus seinem Land und kehret in Ägypten. Und kam an ein großes Wasser, das war tief, und ein Schiffmann führet ihn hinüber. Und da er hinüber kam, fordert der Schiffmann seinen Lohn von Eustachius, der hätt ihm nichts zu geben. Da ward der Schiffmann also bös, daß er ihn schalt und schlug und raufet ihn. Und nahm ihm seine Frau zum Lohn, und ließ ihn in einen Stock schließen. Nun hätt Eustachius vor dem tausend Mann unter sich gehabt, und hätt dar nicht so viel, einen Schiffmann zu bezahlen.
Da ihm der Schiffmann seine Frau nahm und ihm viel Leides tat, da litt er es geduldig. Und kam zu einem Wasser, da ließ er einen Sohn bei dem Wasser an dem Gestad, und trug den andern hinüber und satzt ihn nieder und wöllt den andern auch bringen. Da sah er, daß ein Leu dort her lief, und zucket den einen Sohn von der Erden auf und lief mit ihm in einen Wald. Das war dem Vater leid um ihn, und schrie kläglich: "O weh meines lieben Kindes!" Und kehret sich wieder um, und wöllt zu dem andern Kinde gehen. Da lief bald ein Bär zu ihm und nahm ihm den andern Sohn und trug ihn auch hin. Da ward er sehr betrübt, daß er gedacht, er wölle sich selber ertränken, Da behütet ihn Gott und gab ihm Geduld in seinem Leiden. Da ging er zu einem Dorf und ward da ein Hirt und Hüter des Viehes fünfzehen Jahre mit großem Fleiß.
Zu der Zeit sammelten sich die Heiden (so es Gott gewollt) im Land, dar Eustachius inne war, gegen dem römischen Reich, und täten dem Kaiser viel Schaden. Da klaget der Kaiser, daß er den weisen Mann Plazitus nicht hätte, wann er war ihm in dem Streite sehr nütze. Und sendet überall Boten aus in das Land, daß sie ihn suchten. Da füget es Gott, daß die Boten zu Eustachio kamen, und fragten ihn, ob er ihnen einen Mann könne zeigen, der hieß Plazitus. Da sprach Eustachius: "Ich kenne Plazitus nicht, wann ich kam elend und fremd her. Doch hab ich ein Haus hie, darein söllt ihr mit mir reiten, und bleibt die Nacht bei mir." Wann er kennet sie wohl, und gab ihnen, was er Gutes hätt. Er hätt eine Wund an seinem Halse, die war ihm in einem Streit geworden. Die Wunde sahen des Kaisers Boten und erkannten ihn darbei. Und führten ihn des Morgens mit sich gefangen vor den Kaiser. Da ward der Kaiser froh, und gab ihm Ehr und Gut, daß er mehr gewann, als er vor je hätt.
Nun ritt das Kriegsvolk zahlreich her, da mußte Eustachius an die Fahrt. Und ward Hauptmann und bereitet die Schar wohl nach Weisheit, und ritten nach ihren Feinden. Da wollten die Feind wähnen, es wär Eustachius nicht dar. Das war ihr bester Trost, sonst wären sie in das Land nicht kommen. Da sie inne wurden, daß Eustachius Hauptmann war, da erschraken sie, und flohen zuhand wieder. Da eilet ihnen Eustachius nach, und sie flohen all, und fielen ihrer viel nieder und sturben, eh sie heim kamen. Da kam Eustachius in der Feinde Land, und sie täten viel Schaden darin. Da kam er an die Stadt, da er seine Hausfrau verloren hätt. Und auch seine zween Söhn, die waren unter dem Heere, aber er kennet ihrer nicht. Nun kam es von Geschicht, daß seiner Söhn einer ritt, da seine Mutter war, und kam in ihren Garten, dar weinet er sehr und sprach: "O weh, ich verlor meine Mutter hie um einen kleinen Lohn, den der Schiffmann haben wöllt." Da nun die Frau das höret, da ward sie sehr froh und sprung herfür, und kennet ihr Kind wohl und sprach: "Herre, was ist euer Klag!" Da antwortet er und sprach: "Daß mir ein Schiffman meine Mutter nahm, und weiß nicht, ob sie noch lebe oder nicht. Liebe Frau, habet ihr nichts darvon gehört, des saget mir durch Gott!" Da sah die Mutter den Sohn gütiglich an und sprach: "Es ist hie eine Frau, die hat mit Züchten und mit Tugenden und mit Armut mehr dann fünfzehen Jahr gelebet."
Da sie das sprach, da ritt der ander Sohn auch in den Garten und klaget wie der erst, daß er seine Mutter verloren hätt. Und wie ihn ein Bär hin hätt getragen, und wie ihn die Hirten ernähret hätten. Und sprach: "Das klag ich allweg, so hab ich meinen Vater auch verloren, und weiß nicht, wo sie sind, so wissen sie nicht, wo ich bin." Da der erst das höret, da sprach er: "So bin ich dein Bruder, wann mich trug ein Leu hin, und ein Bauersmann ernähret mich." Da sprach der ander: "Gott sei gelobet, daß ich dich gefunden hab." Und sagten einander, wie es ihnen ergangen war. Das höret die Mutter wohl, daß sie beide ihre Söhn waren, und ward froh. Da sprach der eine Sohn: "Der allmächtige Gott in dem Himmel mag uns des Leidens wohl ergötzen, das wir gehabt haben." Zuhand sprach die Frau: "Ich sähe den Heermeister gern, wann mich bedünket, er sei mein Mann. Und helfet mir, daß ich zu ihm komme." Da wurden die zween Brüder froh. Nun hätt man dem Eustachio auch gesaget, daß zween Brüder einander gefunden hätten, und wie sie in fünfzehen Jahren einander nicht gesehen. Da verstund Eustachius wohl, daß er ihr Vater war. Und rennet bald in den Garten, und sprach: "Ich sage euch allen für wahr, daß die zween meine Söhn sind, und daß die Frau mein Eheweib ist. Gott sei gelobt, daß ich den Tag erlebt hab." Und war gar froh, und nahm sich seiner Frauen an und seiner Kinder. Und das Heer zog wieder heim mit Posaunen und Pfeifen überall, wann es war ihm alles wohl gelungen; und sie hatten ihren Feind über wunden.
In der Zeit war der Kaiser Trajanus tot, und war Hadrian Kaiser worden, der war der Christen Feind. Da saget man ihm, daß Eustachius mit einem Heer über das Meer wäre kommen, und daß er den Feinden kräftiglich hätt an gesieget. Da ritt ihm der Kaiser entgegen und danket ihm seiner großen Arbeit, und gelobet ihm großes Gut. Und da sie gen Rom kamen, da ging das Volk gemeinlich in den Tempel. Und opferten den Abgöttern, und waren gar froh, daß sie gesieget hätten. Und dankten ihnen, daß sie ihnen geholfen hätten. Da merket der Kaiser, daß Eustachius nicht bei dem Opfer war gewesen und den Abgöttern nicht geopfert hätt. Und da sie aus dem Tempel kamen, da sprach der Kaiser zu Eustachio: "Warum hast du den Göttern nicht geopfert? Nun haben sie dir doch des Sieges geholfen." Da sprach Eustachius: "Mir hat mein Herr Jesus Christus geholfen. Wann ich bin sein Diener und will halten sein Gebot. Wann deine Abgötter mögen uns nicht helfen, und sie sind mir nur ein Gespötte. Aber der Herr, der Himmel und Erden erschaffen hat, der hat Gewalt über unser Leib und Seel, und gibt uns alles Gut. Deine Abgötter haben keine Gewalt über uns und alle Ding, und mögen auch dir nicht helfen." Da das der Kaiser höret, da ward er zornig und sprach: "Dein Gott Jesus Christus mag niemand helfen. Wann es haben die Römer gesieget, eh daß Jesus Christus geboren ward. Darum söllst du deinen Unglauben lassen, willst du nicht gemartert werden. Wann du bist ein werter Mann, und ich mag dich wohl fördern um deine Dienst, die du mir getan hast. Und was ich Gutes hab, das will ich mit dir teilen." Da sprach Eustachius: "Die Römer haben gesieget, eh dass Jesus Christus von seiner Mutter Maria menschlich geboren ist worden. Aber in seines Vaters Reich war er je und immer. Christus ist Gott und Mensch, und ward um unsern Willen geboren. Und haben die Römer je gesieget, so ist es mit seiner Hülf geschehen. Wann ohn ihn mögen wir nichts tun."
Um die Red war der Kaiser zornig, und sprach zu ihm: "Der dich verkehret hat, der ist den Göttern unwert. Sag mir nun, du unsäliger Mann, hast du deine Frau und deine Kind auch verkehret?" Da sprach Eustachius: "Meine Frau und meine Kind söllen mir folgen, und dir nicht." Da ward der Kaiser zornig, und hieß, Eustachium und seine Frau und seine Kind in einen Garten bringen. Darin war ein Leu, der sölle sie verzehren. Da leget sich der Leu zu ihren Füßen und neiget sich und empfing sie gütlich. Da erzürnet der Kaiser, und hieß, sie alle vier in einen Kessel setzen. Da ward der Kessel bereitet, darein gingen sie williglich um des Himmelreichs willen. Sankt Eustachius saget den Heiden viel schöner Lehr, und befahl sich Gott, und bat ihn, daß er ihrer Marter genug sein ließe, und sie von dieser Welt nähm. Des wurden sie gewähret, und kam eine Stimm vom Himmel, die sprach: "Meine lieben Kind, ich hab euer Gebet erhöret, du der Himmel ist euch auf getan." Da kamen die Engel und empfingen ihre Seelen. Und die des würdig waren, die sahen die Engel ihre Seelen in das Himmelreich führen, und hörten sie fröhlich singen. Da nahm man ihre heiligen Leichnam aus dem Kessel, die waren unversehrt. Von diesem großen Zeichen bekehret sich mannicher Mensch, und dieneten fortan Gott dem Herrn. Da kamen die Christen und begruben ihre heiligen Leichnam mit Andacht.
Wir ermahnen die Heiligen ihrer Marter und Trübsal, die sie fünfzehen Jahr in dem Elend erlitten haben, daß sie uns um Gott erwerben, daß wir nach diesem zergänglichen Leben mit ihnen besitzen die Ewige Freud und Säligkeit. Amen“
(Der Heiligen Leben und Leiden anders genannt das Passional. Zweiter Band: Sommerteil. Herausgegeben von Severin Rüttgers. Leipzig: Insel-Verlag, 1913, S. 111 - 116)
Das Martyrium der Familie des Eustachius wird in dieser Fassung der Legende etwas anders erzählt als in jener der Legenda aurea.
Clemens Blume nennt diese Todesart, wie sie sich auch in der hier wiedergegebenen Sequenz erwähnt wird, ungewöhnlich. "Ungewöhnlich ist, daß der Heilige in einem glühenden 'Stier' zu Tode gemartert sei." Analecta hymnica medii aevi. LV. Thesauri hymnologici prosarium. Partis alterius II. Die Sequenzen des Thesaurus Hymnologicus H.A. Daniels und anderer Sequenzenausgaben. Des 2. Teiles zweiter Band. Leipzig, O.R. Reisland, 1922, S.146
Die Todesszene, Bovi dum inicitur, Igne non afficitur", wie sie die Sequenz "Tempore sub gratiae nondum plena facie" beschreibt und auf die sich Clemens Blume bezieht, ist jedoch nicht 'ungewöhnlich'.
Und auch ein weiterer Text bei Scaccabarotius nennt dieselbe Todesart.
Verus martyr Eustachius
In accensi bovis ara
Sacrificatur hostia …
De sancto Eustachio. Ad Missam. - Analecta hymnica medii aevi. XIV b. Orricus Scacabarotius. Origo Scaccabarozzi's Liber Officiorum. Nach einer Handschrift der Kapitels-Bibliothek von Mailand herausgegeben von Guido Maria Dreves. Leipzig, O. R. Reisland, 1893, S. 254
Diese Todesart, wie sie in der Legenda aurea, in der hier wiedergegebenen Sequenz wie auch auf dem Glasfenster in Sens dargestellt ist, stimmt zudem mit der im Martyrologium Romanum geschilderten überein:
"Romae passio sanctorum Martyrum Eustachii et Theopistis uxoris, cum duobus filiis Agapito et Theopisto, qui, sub Hadriano Imperatore, damnati ad bestias, sed Dei ope ab iis nulatenus laesi, tandem, in bovem aeneum candentem inclusi, martyrium consummarunt."
Diese Folter erinnert an eine aus der Antike überlieferte Begebenheit.
Der Erzgießer Perilaos aus Athen schuf für Phalaris, den Tyrannen von Agrigent, einen bronzenen Stier, in dem der für seine Grausamkeit bekannte Tyrann seine Widersacher einschließen und rösten ließ. Zur Probe soll Phalaris den Perilaos, den Schöpfer des Stiers, als ersten haben braten lassen. Die Schreie der Gefolterten sollen wie das Brüllen des Stiers geklungen haben. (Ovid, Tristia 3,11,40-54).
Episoden aus der Eustachiuslegende beziehungsweise der Heilige Eustachius sind in Literatur und Kunst immer wieder dargestellt worden.
Altes kommt – und ist im Gehen:
Troja, Sternbild, Pfiff und Schrei.
Geisterhafte Lüfte wehen,
überm Dornwall schwarzer Schlehen
flammt ein Kreuz im Hirschgeweih.
Elisabeth Langgässer (1899 - 1950), Winterwende
*
Das Literaturverzeichnis zu dieser Miszelle finden Sie unterhalb der beiden folgenden Abbildungen. Eine reichhaltiger bebilderte Version wird in Kürze als PDF zum Download angeboten werden.
Literatur
Joseph Szövérffy, Some features of Origo Scaccabarozzi's Hymns (Analytic Survey of a 13th
Century Milan Hymnal).
Aevum 1955
Wilhelm Meyer, Der Rythmus über den h.Placidas-Eustasius. In: Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-historische Klasse aus dem Jahre 1915. Berlin, Weimannsche Buchhandlung, 1916, S. 226 - 287
Louise Gnädinger Vie de Saint Eustache . In: Lexikon des Mittelalters. Hrsg. Von Robert-Henri Bautier, Gloria Avella-Widhalm, Ulrich Mattejiet und Robert Auty. München, Deutscher Taschenbuchverlag, 2003, Band VII, Sp. 1149f.
Christoph Wetzel, Heiligenlegenden in der bildenden Kunst. Stuttgart, Philipp Reclam jun., 2011
Alfred Hentzen, Die Vision des heiligen Eustachius von AntonioPisanello. Der Kunstbrief 48. Berlin, Gebr. Mann Verlag, 1948
Petersen, Holger, Trois versions inédites da la Vie de saint Eustache en vers français. I Version de Cheltenham (Bibliothèque Phillips, ms. no 4156). Romania 48, 1922 (191), pp. 365 - 402
https://www.persee.fr/doc/roma_0035-8029_1922_num_48_191_4496
Petersen, Holger, Trois versions inédites de la Légende de saint Eustache en vers français. II Version de Guilllaume de Ferrières (York, Bibliothèque du Chapitre XVI. K.13), Romania 51,1925 (203), pp. 363-396
https://www.persee.fr/doc/roma_0035-8029_1925_num_51_203_4243
Petersen, Holger, Trois versions inédites de la Vie de saint Eustache en vers français. III. Version de Bruxelles. Romania 52, 1926, (205-206), pp. 37 - 74
https://www.persee.fr/doc/roma_0035-8029_1926_num_52_205_6893
Pierre de Beauvais, La Vie de saint Eustache. Published for the first time from the manuscripts of London and Paris with introduction, notes and index by John Roberts Fisher. Lancaster, The new era printing company, 1917 (Reprint Leopold Classic Library) (Reprinted from the Romanic Review, Vol. VIII, No. 1, January-March, 1917), p. 1-67)
https://dn790003.ca.archive.org/0/items/laviedesainteus00fishgoog/laviedesainteus00fishgoog.pdf
Jessie Murray, La vie de saint Eustace. Version en prose française du XIIIe siècle. Éditée par Jessie Murray. Paris, Librairie Ancienne Honoré Champion (Les classiques français du Moyen Âge 60), 1929 (Der französischen Prosaversion ist eine lateinische Prosaversion beigegeben, der der französische Übersetzer ziemlich genau folgt.)
Pierre de Beauvais, La Vie de saint Eustache. Edizione critica con introduzione, note al testo e glossario a cura di Mauro Badas. Bologna, Pàtron Editore, 2009 (Biblioteca di Filologia Romanza della Facoltà di Lettere e Filosofia dell’Università di Bologna, 12)
https://www.patroneditore.com/volumi/9788855530095/le-vie-de-saint-eustache-edizione-critica-introduzione-note-al-testo-e-glossario
Craig Baker, Pierre de Beauvais, La Vie de saint Eustache, éd. Mauro Badas. Cahiers de Recherches Médiévales et Humanistes 2009 (Rezension) https://journals.openedition.org/crmh/11736
Bibliographie: https://opac.regesta-imperii.de/lang_de/suche.php?thes=Vie+de+Saint+Eustache
Bibliographie: https://www.arlima.net/uz/vie_de_saint_eustache.html
metrum
Versmaß: ambrosianisch (metrum ambrosianum), akatalektische iambische Dimeter, anstelle der Iamben können an erster und dritter Stelle auch Spondäen und Anapäste stehen (vgl. Aldalbert Schulte, Die Hymnen des Breviers, S. 9f.).
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Reimschema der ersten Strophe: aabb.
Alle andern Strophen: xcwc.